Framing

23. August 2021

“Frame” meint in der deut­schen Über­set­zung “Deu­tungs­rah­men”. Zutref­fen­der schei­nen im Kon­text der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on jedoch die von Kepp­lin­ger (2018, S. 47 ff.) ver­wen­de­ten Begrif­fe “Deu­tungs­mu­ster” oder “Sche­ma”, dem ein Mensch eine Neu­in­for­ma­ti­on zuord­net und ent­spre­chend inpre­tiert: Der wahr­neh­mungs­psy­cho­lo­gi­sche Ansatz besagt näm­lich, dass der Mensch Neu­in­for­ma­tio­nen in sei­nem Gedan­ken­sy­stem einem Muster zuord­net, das ihm hilft, die neue Infor­ma­ti­on schnell zu ver­ste­hen, zu deuten.

Framing-Konzept in der Medienwirkungsforschung

“Das Framing-Kon­zept basiert auf der Annah­me, dass die Medi­en durch Selek­ti­on, Her­vor­he­bung, Beto­nung, aber auch durch Exklu­si­on, bestimm­te Aus­schnit­te der Rea­li­tät deut­lich machen und dadurch beim Rezi­pi­en­ten eine bestimm­te Sicht­wei­se eines Pro­blems, kau­sa­le Inter­pre­ta­ti­on und Bewer­tung aus­zu­lö­sen ver­mö­gen. (Schenk, 2007, S. 314)

Skandal, Drama und Problem

Eine Kri­se kann je nach Akzen­tu­ie­rung gewis­ser Aspek­te des Miss­stands und Beto­nung als

Skan­dal (Ver­ant­wort­lich­keits­frame),

Dra­ma (Dra­ma­ti­sie­rung, Kon­se­quen­zen­frame) oder als

Pro­blem (Pro­ble­ma­ti­sie­rung) dar­ge­stellt werden:

Eine detail­lier­te­re Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen Kri­sen­aspek­ten fin­det sich unter: Aspek­te einer Kri­se (Deu­tungs­mu­ster) – KrisenKom

Frame “Konflikt”

Nicht in das Sche­ma der Kri­sen­aspek­te geht der Kon­flikt, als die Aus­ein­an­der­set­zung von zwei Kon­tra­hen­ten mit unter­schied­li­chen Posi­tio­nen (Wert­mu­stern, Ein­stel­lun­gen), Erwar­tungs­hal­tun­gen und Inter­es­sen thematisiert.

Unter­su­chun­gen zei­gen, dass in Medi­en dar­ge­stell­te Deu­tungs­rah­men die Rezep­ti­on der Emp­fän­ger ratio­nal und emo­tio­nal beein­flus­sen (teil­wei­se Über­nah­me der Frames) (Schenk, 2007, S. 324 f.).

Framing-Konzept in der Kommunikationsforschung

Nach Micha­el Schenk haben sich drei ver­schie­de­ne For­schungs­rich­tun­gen etabliert:

(1) Die Jour­na­li­sten­per­spek­ti­ve: Es wird unter­sucht, wie Nach­rich­ten-Frames ent­ste­hen, wie sie die Nach­rich­ten­ge­bung beein­flus­sen und sich als Medi­en-Frames in der Bericht­erstat­tung niederschlagen.

(2) Die inhalts­zen­trier­te Per­spek­ti­ve: Sie kon­zen­triert sich auf die tat­säch­lich in der Bericht­erstat­tung der Medi­en vor­find­ba­ren Frames. Hier­bei wird unter­schie­den zwi­schen gene­ri­schen Frames und the­men­spe­zi­fi­schen Frames unterschieden.
a) induk­ti­ve Verfahren:
aa) In text­wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen wer­den z. B. ein­zel­ne Nach­rich­ten­tex­te syste­ma­tisch unter­sucht (Struk­tu­ren, Syn­tax, Wort­wahl, rhe­to­ri­sche Figu­ren. ab) Beim inter­pre­ta­tiv-quan­ti­ta­ti­ven Ver­fah­ren ent­wickeln die For­scher aus einer Aus­wahl des Unter­su­chungs­ma­te­ri­als die Frames, wel­che dann in der anschlies­sen­den quan­ti­ta­ti­ven Inhalts­ana­ly­se codiert und quan­ti­fi­ziert wer­den. ac) Beim com­pu­ter-basier­ten quan­ti­ta­ti­ven Ver­fah­ren aus dem gesam­ten Unter­su­chungs­ma­te­ri­al extrahiert.
b) deduk­ti­ve Verfahren:
Man geht von in der For­schungs­li­te­ra­tur the­ma­ti­sier­ten Frames (z. B. Skan­dal, Kon­flikt) aus und über­prüft, ob und wie die­se im Unter­su­chungs­ma­te­ri­al vor­han­den sind.

(3) In der öffent­lich­keits­zen­trier­ten wird unter­sucht, wel­che poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Akteu­re ihre Frames in den Medi­en lacie­ren können.

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