Aspekte einer Krise (Deutungsmuster, Framing)

Miss­stän­de (pro­ble­ma­ti­sche Zustän­de) kön­nen auf media­ler Ebe­nen unter­schied­lich dar­ge­stellt und von der Öffent­lich­keit eben­so dif­fe­ren­ziert wahr­ge­nom­men wer­den. Die­ses Sche­ma zeigt mög­li­che Aspek­te eines Miss­stan­des, die bei der Wahr­neh­mung und Dar­stel­lung der Kri­se selek­tiert und akzen­tu­iert wer­den können.

 

 

Das Sche­ma geht vom Miss­stand (Mit­te) als nega­tiv emp­fun­de­nen Zustand aus und berück­sich­tigt drei Dimen­sio­nen: Ursa­che — Aus­wir­kun­gen (Scha­den, Geschä­digt) auf der x‑Achse sach-/er­eig­nis­be­zo­gen — per­so­nen-/hand­lungs­be­zo­gen auf der y‑Achse Tat­be­stand (IST) — erfor­der­li­che Kon­se­quen­zen zur Kor­rek­tur (SOLL) von innen nach aus­sen Dar­aus las­sen sich nun ein­zel­ne in der Framing-Theo­rie fest­ge­hal­te­nen all­ge­mei­ne Deu­tungs­mu­ster (Sche­ma­ta nach Kepp­lin­ger, 2018), die auf Kri­sen zutref­fen, fest­hal­ten: Der Skan­dal oder die Skan­da­li­sie­rung (Ver­ant­wort­lich­keits­frame nach Schenk, 2007) im Kreis­aus­schnitt links unten Das Dra­ma oder die Dra­ma­ti­sie­rung im Kreis­aus­schnitt rechts unten Die The­ma­ti­sie­rung des Pro­blems respek­ti­ve die Pro­ble­ma­ti­sie­rung durch die Akzen­tu­ie­rung des Miss­stands als sol­chen im Kreis in der Mit­te des Sche­ma. Die The­ma­ti­sie­rung von Pro­duk­te­män­geln, Maschi­nen­aus­fäl­len, usw. im Kreis links oben. Die The­ma­ti­sie­rung von Sach- und Umwelt­schä­den im Kreis rechts oben. Der Jour­na­list “framt” also den Miss­stand, indem er den Akzent auf einen der im Sche­ma dar­ge­stel­len Aspek­te setzt. Dabei kann er den the­ma­ti­sier­ten Aspekt mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln auch “über­zeich­nen” (skan­da­li­sie­ren, dra­ma­ti­sie­ren, pro­ble­ma­ti­sie­ren). Dabei betont er nicht nur den Aspekt, son­dern emo­tio­na­li­siert gleich­zei­tig. So bei­spiels­wei­se mit der Wahl von (Schlag-)Wörtern und der Kom­bi­na­tio­nen der­sel­ben oder mit der Wahl von Bild­aus­schnit­ten die Asso­zia­tio­nen wecken wie etwa (Kepp­lin­ger, 2018, S. 66–57). Hor­ror-Eti­ket­ten (Ver­wen­dung extre­mer Begrif­fe zur Über­zeich­nung des Miss­stands: “Wald­ster­ben”, “Gift­re­gen”, “Kil­ler­bak­te­ri­en”) Ver­bre­chens-Asso­zia­tio­nen bei Skan­da­li­sie­rung (Fehl­ver­hal­ten wird als schwe­re Kri­mi­na­li­tät oder schwer­wie­gen­de Norm­ver­let­zun­gen dekla­riert: “Kil­ler”, “Ver­fas­sungs­bruch”, “Was­ser­dieb­stahl”) Schmä­hun­gen bei Skan­da­li­sie­rung (“Ekel-Bäcker”, “Protz­bi­schof”) Kata­stro­phen-Sug­ge­stio­nen (Mög­li­che Maxi­mal­schä­den, wer­den als aktu­el­le Gefahr prä­sen­tiert, wobei die Unwahr­schein­lich­keit des Ein­tre­tens aus geblen­det wird: BSE, Vogel­grip­pe, Schwei­ne­grip­pe) Kata­stro­phen-Col­la­gen (Miss­stän­de und Schä­den wer­den in eine Rei­he von Kata­stro­phen gestellt: “Nach dem unheim­li­chen Angriff der Aids­vi­ren, des Rin­der­wahn­sinns und der Schwei­ne­pest for­mie­ren sich nun die Kil­ler­bak­te­ri­en zum fina­len Schlag gegen die Mensch­heit.” (Spie­gel-TV, 29. Mai 1994) Seri­el­le-Skan­da­li­sie­run­gen (Klei­ne­re Fehl­hand­lun­gen wer­den als Teil einer Serie von Norm­brü­chen dar­ge­stellt, was den Ein­druck eines gros­sen Miss­stands erweckt.) Opti­sche Über­trei­bun­gen (Miss­stän­de, Schä­den und Fehl­hand­lun­gen wer­den durch Fotos und Vide­os als beson­de­res schwer­wie­gend, gefähr­lich und beäng­sti­gend dargestellt.)

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