Deepwater Horizon (Oelpest, Umweltskandal)

Am 20. April 2010 kamen auf der Bohr­in­sel Deep­wa­ter Hori­zon rund 11 Men­schen bei einer gewal­ti­gen Gas­ex­plo­si­on ums Leben. Zwei Tage spä­ter ver­sank die Platt­form rund 70 km vor der Küste des US-Bun­des­staa­tes Louisa­na im Meer. Über drei Mona­te ström­ten mehr als 500 Mil­lio­nen Liter Öl in den mexi­ka­ni­schen Golf. Dies führ­te zu einer der gröss­ten Umwelt­ka­ta­stro­phen. Aus­lö­ser der Explo­si­on war ein Gas-Blo­wout, der jedoch nicht plötz­lich statt­fand, son­dern sich schon drei Wochen vor­her ange­kün­digt hat­te. Die Kata­stro­phe ereig­ne­te sich auf­grund gra­vie­ren­der Sicher­heits­män­gel und ekla­tan­ter Kom­mu­ni­ka­ti­ons­feh­ler. Dazu gehört eben­falls die Nicht­be­ach­tung der Warn­si­gna­le. Tech­ni­ker hat­ten im Vor­feld der Kata­stro­phe auf die Män­gel und Warn­si­gna­le hin­ge­wie­sen. Beach­tet wur­den sie nicht.

Unmit­tel­bar dar­auf ver­sprüh­te das betrof­fe­ne Unter­neh­men BP Mil­lio­nen Liter der toxi­schen Che­mi­ka­lie Cor­e­x­it, das dafür sor­gen soll­te, dass sich das Öl fein im Was­ser ver­teilt. For­scher fan­den jedoch her­aus, dass die Öl-Cor­e­x­it-Ver­bin­dung viel gif­ti­ger ist als unbe­han­del­tes Öl. Soweit zur rea­len Kri­se und zum Fol­ge­ver­hal­ten der BP.

Die Medi­en infor­mier­te das Unter­neh­men kurz nach dem Unfall aktiv und ver­mit­tel­te in der Fol­ge den Ein­druck der Offen­heit und Trans­pa­renz. Rea­li­ter fokus­sier­te das Unter­neh­men sei­ne Infor­ma­tio­nen auf eige­ne Schutz­mass­nah­men wie die Errich­tung von Ölbar­rie­ren oder die Ent­sen­dung von Ret­tungs­schif­fen. Die Zah­len und Fak­ten über den Unfall und die Fol­gen wur­den ver­heim­licht respek­ti­ve baga­tel­li­siert. Statt­des­sen rich­te­te der Kon­zern eine Viel­zahl von the­men­ei­ge­nen Social-Media-Kanä­len ein, die den User über neue Ent­wick­lun­gen infor­mie­ren sol­len. Zur Kon­trol­le des Infor­ma­ti­ons­flus­ses und der The­men­set­zung stei­ger­te das Unter­neh­men sein Such­ma­schi­nen­mar­ke­ting und kauf­te sich bei Goog­le und Yahoo auf die ent­spre­chen­den Sei­ten und Ran­kings. Die Kosten: 10‘000 US-Dol­lar täglich.

Doch die Ver­harm­lo­sungs- und Ablen­kungs­ver­su­che bewirk­ten das Gegen­teil: Die Medi­en recher­chier­ten und kon­ter­ten mit Fak­ten und Zah­len. Die öffent­li­che Mei­nung schlug um: Der Ein­druck von einem maxi­mal gewinn­ori­en­tier­ten Unter­neh­men, das auf Kosten der Umwelt und sei­ner Mit­ar­bei­ter han­delt, festig­te sich zunehmend.

Das US-Justiz­mi­ni­ste­ri­um bestraf­te den Kon­zern mit einer Bus­se von 4,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Zusätz­lich hat BP gemäss Wiki­pe­dia für die Bewäl­ti­gung der Fol­ge­ko­sten der Ölpest 38,1 Mil­li­ar­den Dol­lar Rück­stel­lun­gen gebil­det (Stand Novem­ber 2012). Der Akti­en­wert der BP brach in der Fol­ge um mehr als die Hälf­te ein.

Ver­füg­te BP nicht über aus­rei­chend Res­sour­cen, so wären die Kon­se­quen­zen die­ser Reak­tio­nen der Sta­ke- und Share­hol­der unwei­ger­lich die Liqui­di­täts­kri­se gewesen.

Der Spiel­film Deep­wa­ter Hori­zon[1] dürf­te die­se Umwelt­ka­ta­stro­phe zu einem Ever­green (sie­he S. 233) der Kri­sen machen, womit für BP die Kri­se noch nicht aus­ge­stan­den ist.

[1]     http://www.deepwaterhorizon.movie (abge­ru­fen am 4. Sep­tem­ber 2017)

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